gedenken

gedenken

totensonntage brauche ich nicht.
nachfahrin derer
die schornsteine aufrichteten
um vernichtende
todesfugen zu feiern
und nun in mir spuken, sprachlos
versuche ich, nachfahrin, nachtfahrerin
die asche
aus meinen ohren zu klauben
den staub
zu nesteln aus augen und haar

um sie im gedenken zu bergen

zur weisheit und wohlfahrt kommender
damit ihnen leben glückt

brachvogeltriller

brachvogeltriller


sehnsucht nach brachvogel-
trillern
vom wind ins ohr gestrichen
vibrierend im rückenmark
auf dass es gestillt wird
das stammeln
das falsche zeugnis der zungen-
schläge
das echogebrause der worte

STOP!

triller als glücksspirale
um meinen hals geschlungen
flieg ich ins damals des jetzt:
zeit voran und voraus
bläst im schachtelhalmwald
ein gnom oder wassermann
sein lied auf
archeopteryxknochen
synkopiert den brachvogel-
triller
bis es die zeiten durchrauscht:
ein wortvergessenes
weltgewandtes
ensemble modern duett

wargames

wargames

2001

es wird wieder mal
einmarschiert
hexenjagd?
peanuts!
apokalypse now …

phoenix im sperrfeuer
bruzzelnd
gerupftes huhn, armes
geschmacksfäden in den lefzen ringsum
rudelgesetz

please don’t speak foreign
languages
it might be …

(alle federn verstreut)

might be wrong

und bruzzelt
poor beast
nackt
die asche
lässt auf sich warten


menetekel

menetekel

frühe zeit, ins schwimmbad gelagert
wo friedliches flugzeuggebrumm
mich tiefer eintauchen ließ
in knallblauen sommergenuss.
damals die zeichen nicht erkannt.
heute unter bayrischem himmel
keine sorge dass dem blau
auch wenn es sich wolkenlos wölbt
das weiße ausgehen könnte:
himmelsschreiber und wolken-
schieber malen stündlich aufs neue
das menetekel ins blau, ins grau: netze
die leuchtend den himmel durchkreuzen
mit schmierigem gummi das blau aus-
radieren und spuren um spuren ziehen:
zeichen des großen networks
kleb- und giftfäden die wir spinnen
und kreuz und quer enger spannen
damit er nicht mehr durch die maschen
schlüpfen und weiter mit atemberaubender
weiße genährt und gestopft werden kann:
der tod friedlicher sommerbläue
über uns und allem was kommt

haut

haut

protein und subcutis
vena voll hämoglobin
kenn ich doch nicht das gerüstwerk
meiner haut rotweiß fahlgrün

zwischen papillen und spalten
zerkreist und zweigt globusstumm
was wir nicht halten können‘
und was uns hält um und um

in solchen eiweißhöhlen
flackert ein wehrfeuer weiß
drinnen friert wenn ich erröte
ein fiebergefunkel zu eis

toll rollt in erbalten bahnen
bauend und ungestalt
was scharfe linsen verhehlen:
vermoderte sonnen vom schachtelhalmwald

rad des lebens

rad des lebens

alle häuser
worin du lebst
sind weniger als staub

das geheimnis bleibt unnennbar
aus dem du aufgetaucht bist

am anfang ist da erinnerung
früher zauber der kindheit
der alles mit glanz durchtränkt

er verdunstet im schmelz-
topf des lebens aus dem du
glühend hervorgehst und härtest
während du kühlst

unnennbar bleibt das geheimnis
das immer gekannte
lange vergessene
in das du schließlich zurücktauchst

alle häuser
worin du gelebt hast
sind weniger als staub