sommernotiz

sommernotiz

moment der ewigkeit:
wenn die flügelspitze der schwalbe
das wasser ritzt, ihr schatten
den schlamm am grunde aufwühlt
während sie in die wolken stürzt –

moment der ewigkeit:
wenn das blatt im takt des
zilpzalplieds zuckt, sein schatten
den waldboden fleckt
und stille das flattern einnetzt –

moment der ewigkeit:
wenn die chöre der laubfrösche sich
im feldgeschrei der grillen fangen,
ihr echo die nacht aufschreckt
und der drohende lärm der maschinen im dorf
in lautlosigkeit versinkt –

nie endender augenblick jetzt wie in
ohnezeit

wortwolke

wortwolke

eine wolke kann nicht mal
kauderwelsch
so versteht keiner was sie
spricht

morgen mache ich
wolkenwelsch
das ist man schüttelt
zehn buchstaben krumm und schmeißt sie
zum fenster raus:

da stürzen sie eifrig zum
horizont und stürmen das hohe
blau
klammern sie unterm wolken
wisch und die wolke zaudert und
zischt:

wolken sagt sie
nix wort wert kein strich
schaudert
zieht ihre zehn blauflossen ein lässt
wortwelschiss
auf mich kaudern

stimmen

stimmen

unter meiner haut
hausen die tausend stimmen
zehntausend nackte geister
sagen:

nichts schöneres unter der sonne …

sagen wo ich nur abgrund
sehe was willst du ein steg
ist ein steg –
zischen: spring doch!
zischen: sing doch ohne
sorge sei ohne sorge
flüstern marsch marsch zurück still
gestanden auf auf nun zum
letzten gefecht –
wissen nicht dass ich weiter
nichts kann außer
hangen und bangen
und lechzen nach stille
vergeblich

aber manchmal schreie ich:
schweigt endlich schweigt!
da sinken sie ab ins unerhörte
tausend sekunden lang
so dass sich in meinen
schulterblättern die
flügelknospen rühren
und ich den klang der stille
endlich hören kann

kleine nachricht an Virginia Woolf

kleine nachricht an Virginia Woolf

Virginia, manchmal muss ich
mit deinem mauve- und malvenfarbenen
wolfsrudel um die wette heulen
nachts wenn Mrs. Dalloway
im zimmer für sich allein
an ihrer gästeliste tüftelt
der leuchtturm sein stetes blinken
über die wellen wirft
sterne statt bomber fliegen
(ja, auch ein paar sputniks dazwischen)
und du am grunde der Ouze
den stein aus der tasche ziehst
aufsteigst
mit nassen füßen
hinüber ins gartenhaus gehst
dem schaukelstuhl schubs um schubs versetzt
und deine feder wieder
die fährte zu wittern beginnt

bayrische idylle: das marterl

bayrische idylle: das marterl

in der doppellinde überm
schmerzensmann bauen wir ein
nest voller vogelrufe unsere
ohren: und herzen das junge
laub: besänftigt schnurrt darin der
wind gurrt und turtelt brütet
sturm aus
na und! dann
fliegen wir eben dem
schmerzensmann um die
dornenkrone zuckt schon der erste
blitz: he rufen wir
steig herab vom kreuz starke
arme hat der sturm:
für uns für dich und fegt kronen
vom kopf: viel zu lange schon
blutet das lärchenholz
verharzt leib lenden
gesicht: flieg
schmerzensmann flieg: so
nest über kopf über
kreuz wollen wir
endlich
erlösung sehn

grillen kratzen am unsichtbaren

grillen kratzen am unsichtbaren

sagt Nelly Sachs und das stimmt:
insekten waltrompeten
geheul von hyänen und welpen
kratzen schaben zupfen
zuzzeln am stets verhüllten
das sich unseren
blicken entzieht.

aber vögel

wurzelnd im bodenlosen
können mit ihren
gefiederten stimmen
späne abhobeln vom
unsichtbaren
neumen notate
glitzersplitter

für unser ohrenlicht

apocalypso

apocalypso

its no or never
brennt lichterloh
der wald das feld
die vögelein der veilchen-
blick vergissnichtmein
das täubchen fliegt aus
seiner kluft –
ich liebe dich mein herz mein du
ruckediku blut ist im schuh

der tag wird kommen
und trunkene flut
der nöck der fluss der ozean
der meerblick in die tulipan
der rochen treibt
aus seiner kluft –
ich liebe dich mein herz mein du
ruckediku blut ist im schuh

im frühtau zu berge
der boden bebt
die felsen und höhen der zinnenkranz
der zwergenblick der riesentanz
das mäuslein rennt aus
seiner kluft –
ich liebe dich mein herz mein du
ruckediku blut steigt im schuh
der regenbogen abgebrannt
maikäfer fliegt in anderland