brachvogeltriller

brachvogeltriller


sehnsucht nach brachvogel-
trillern
vom wind ins ohr gestrichen
vibrierend im rückenmark
auf dass es gestillt wird
das stammeln
das falsche zeugnis der zungen-
schläge
das echogebrause der worte

STOP!

triller als glücksspirale
um meinen hals geschlungen
flieg ich ins damals des jetzt:
zeit voran und voraus
bläst im schachtelhalmwald
ein gnom oder wassermann
sein lied auf
archeopteryxknochen
synkopiert den brachvogel-
triller
bis es die zeiten durchrauscht:
ein wortvergessenes
weltgewandtes
ensemble modern duett

rotkehlchenlied

rotkehlchenlied

lange bevor die dämmerung steigt
heben meine orphischen lieder
und drosselrhythmen den vorhang aus nacht.

gläsern umsponnene Töne
tautropfen rollende waldmuschelperlen
rote korallenkaskaden
springen mit mir von blatt zu blatt

federnd hüpft mein herz mit –

stop beim häherkrähen
heimlicher blätterschlupf
um mit lackschwarzem schnabel
fliegen- und spinneneier zu schnappen –

und weiter singen weiter

mein herz fängt sich überm waldmarbelbusch
hebt die kaskade höher ins licht
formt aus morgenröte
jede tonperle neu

während meine korallenbrust
zwischen blattspitzen leuchtend
sehnsuchtskoloraturen schaukelt
in meinem süchtigen lied

vögel im garten

vögel im garten

im garten die vögel unter
winden, pollengeschwängert.
ihre syrinx von horizonten
getönt dort wo sich erde dem
himmel verstrickt lässt
die membranen flattern im
luftstrom der endlichkeit:

liedstrophen gleiten ins
wilde gekräut das unentwegt
aus der erde quillt und an
meinen knöcheln leckt –
hängen sich fest an
igelstacheln winden im
haar wie Medusas schlangen:

längst habe ich aufgegeben
dies wuchern und winden
zu begreifen: hänge
die schlangen ins weißdorn
gestrüpp ziehe langsam
den fuß zurück:

krötentunnel öffnen sich
schnirkelschneckenpfade
locken die lieder
ins labyrinth wo die
verwandlung beginnt

morgenvögel

Morgendunkel C.R.

morgenvögel

wir spüren das licht
im dunkeln
lange bevor es die nacht besticht
und träufeln unsere lieder
in gräue die langsam verblasst:
wer hätte gedacht
dass unser jubel
das licht lockt
und die sonne
über den horizont hebt!
mit unseren chören bauen wir
kathedralen aus licht
hieven die sonne höher
bis ein paar endlose
lidschläge lang
unsere lieder das
vogelmaß sprengen
gemeinsam sich steigernd
zu unerhörtem
freude schöner götterfunken
schöpferlobgesang

singschwäne auf dem lech

singschwäne auf dem lech

nichts da von traurigem
schwanengesang:
nordische eleganz
schneefarben
paradierend vorm schilf:

schnäbel von sonne
gezacktes moor knapp
übern horizont gehievt:

duettierend
posaunenenchöre:
blanke ju-schreie
an das leben
oder

steiß weiß in die höhe
hälse tief eingetunkt
ins eilig nüchterne
wasser
glücklich gründelnd in
schlick und schlamm:

lechwinter zu sommer-
leben! dem stau sei es
ausnahmsweise gedankt

►◄ Posaunenklänge … ►◄

heckenbraunellen

Heckenbraunellen, Balz

heckenbraunellen

frühlingsknospen unter den flügeln
balzflug als sturzflug ins
ungewisse

schwankender zweig

zages lied
so klein so gewiss
übern straßenlärm
ins graue gesungen:

hauptsache jetzt
hauptsache die gefährtin
hauptsache unentwegt
während die knospen springen
das lied
so gewiss wie eine schöne
schlange die aufsteigt aus ihrem korb
und sich wiegt
ins blauende
grau geschwungen

trottellummen

Trottellummen dicht an dicht, Helgoland

trottellummen

wassergeschöpfe
aus not die brut auf schmalen
felsenbändern gewagt
eng an eng
das ei zwischen absturz und schlupf
auf den füßen ausbalanciert

darüber
von wind und echo geformt
die stimmen tausender existenzen
blind eingefügt ihrem schicksal
das die felsen umkreist

jeder schritt in den abgrund
vom flügelschlag aufgefangen

das können die küken nicht:
hungern und sterben oder
fall
in die tiefe –
schrill ihre stimmen
überm bass der alten
schwellenlaute der angst

zögern und zaudern
lang

am ende
schneller sprung
ins leere

leichgewicht
preisgegeben dem wind:

glück
wenn in sinkender nacht
endlich
die landung gelingt

der falke

Turmfalke im Winter, Abflug

der falke

schöner flieger
zeitdurcheiler
feldmäuse kleine vögel
verlieren ihr leben
füttern seins

greifspur im schnee
schnell verwischt

kompassnadel der wind
der ihn trägt ins rasende
sturzab

auf der grenze
des horizonts balancierend
durchpfeilt er
die schallmauer augenblick

rüttelt
rüttelt mich wach

tordalken

Tordalken, kopulierendes Paar

tordalken

triumf des augenblicks
wenn der same in die
kloake schießt

kein ich nur bersten
im fluss der kräfte die
gleich gültig wem
das weltall durchziehn

empfangen
verströmen
empfangen

glück der copula
um das der rote felsen
kreist bevor er
die wunde umschließend
im schoß der vogelin

dem wunder zwischen
wasser und wind
die steinige flanke reicht